Candle im Test

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7.6

Fair

Teku Studios präsentiert uns ein atmosphärisches, liebenswertes, dynamisches graphic adventure.

Ein Rätselspiel, an dem vier Jahre lang gearbeitet wurde und uns mit atemberaubenden Wasserfarbenbildern überrascht, kann nur spannend sein! Und verdammt schwer.

Handlung

Die Geschichte von Candle beginnt am Anfang. Am Anfang von allem. Am Anfang der Welt.

Ein Märchenerzähler berichtet uns wie Götter die Welt erschufen und im Einklang mit den Bewohnern lebten. Alle waren glücklich. Bis böse Eigenschaften wie Neid und Hass in die Welt kamen. Die Götter waren enttäuscht über diese Entwicklung und bestraften die Bewohner. Sie würden einen erneuten Versuch starten müssen. Hier setzt das Spiel ein und wir lernen Teku kennen, eine kleine Figur mit Maske. Er steht in einem brennenden Dorf voller Strohhütten, dass wie ein „Eingeborenendorf“ erscheint. Wir erfahren, dass der Schamane des Dorfes, Jaka, von den bösen Kämpfern, den Wakcha, entführt wurde. Als Teku machen wir uns auf, unseren Schamanen aus den Klauen der Bösen zu retten. Dabei hilft uns die heilige Flamme unserer Kerze immer weiter und gibt uns die Möglichkeit in schwierigen Situationen weiterzukommen, Verdecktes zu enthüllen oder zu fliehen. Wir stoßen auf Rätsel, Kämpfer, denen wir ausweichen müssen oder sie hintergehen können und tolle Bilderwelten.

Gameplay

Wenn man Daedalic Entertainment hört so denkt man doch meist an lustige, aber auch verdammt schwere Point & Click Adventures. Teku Studios präsentiert uns mit Candle einen Rätsel Side Scroller, bei dem wir die Maus getrost zur Seite legen können. Wir benötigen lediglich die Pfeiltasten, S, H, Space, Shift und I. Und Esc wenn wir doch einmal das Spiel verlassen wollen. Dieser minimalistische Gebrauch an Tasten reduziert Candle auf das Wesentliche: Bewegen und Benutzen. Und wenn man ehrlich ist, braucht man auch nicht mehr. Wir bewegen uns auf vielen Ebenen und wie für einen Sidescroller typisch vorwärts treibend. Dabei kommen immer wieder neckische Schmankerl, wenn wir in einen Tunnel laufen und mit der Kamera einige Ebenen in den Hintergrund zoomen und dabei durch bunte Welten fahren.

Tekus linke Hand ist unsere größte Waffe: sie ist eine Kerze und kann für die verschiedensten Dinge eingesetzt werden (Feuer machen, Feinde vertreiben, dunkle Kammern erleuchten). Doch müssen wir darauf achten, dass sie nur in den richtigen Momenten ausgeht.

Feste Speicherpunkte bieten uns Möglichkeiten immer wieder zu speichern. Doch auch nach gewissen Erfolgen im Spiel, beispielsweise wenn wir endlich das Artefakt erreicht haben, speichert das Spiel automatisch.

Soundtrack und Stimmen

Candle erleben wir auf Englisch (auch auf Spanisch) und einer Fantasiesprache. Dazu gibt es passende deutsche Untertitel. Eine wunderbare Märchenerzählerstimme führt uns in diese Welt ein und begleitet uns auch weiter durch dieses Abenteuer. Teku und die anderen Bewohner dieser fantastischen Welt sprechen miteinander in einer Fantasiesprache, die auf uns unverständlich und „eingeboren“ wirkt und entweder durch Text oder den Erzähler übersetzt wird. Auch durch Bilderrätsel in Sprechblasen werden Geschichten und Dialoge erzählt.

Der Soundtrack ist sehr stimmungsvoll und bezieht die Umgebungsgeräusche mit ein. Schöne Sounds entstehen, wenn wir wieder einmal aus hoher Höhe nach unten Fallen und auf der harten Erde aufklatschen.

Graphik

Bereits beim Starten fällt die ungeheuerliche Intensität und Eigentümlichkeit der Farben auf. Beim genaueren Hinschauen fällt auf: alle Bilder wurden mit Wasserfarben gemalt. Und es sieht wunderschön aus. Teku Studios achtete darauf, alles mit Wasserfarben zu gestalten und schafft so eine etwas andere und auch handgemachtere Welt. Von 3D Graphik und digitalen Projektionen verwöhnt mutet diese Wasserfarbentechnik etwas altertümlich und verkünstelt an, dennoch macht es auch einen schönen Reiz aus, in diese Kunstwelt einzutauchen und sich an den tollen Farbübergängen zu erfreuen. Man merkt jedem Bild die stundenlange kleinteilige Arbeit an und möchte am liebsten jedes Bild als neuen Bildschirmhintergrund nehmen. Und so wechsele ich stündlich meine Hintergründe, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann. Auch kann man erkennen, dass hier Menschen am Werk waren, die Kunst wirklich lieben und sich damit tiefer auseinandergesetzt haben, welche Farbe man für ein bestimmtes Objekt verwendet. Denn Wasserfarben lassen sich nicht mehr ändern.

Um schwere Rätsel zu lösen ist es hilfreich die tolle Umgebung genauer in Augenschein zu nehmen. So finden sich an manchen Stellen gemalte Tipps, die uns weiter bringen können.

Ein dazugehöriges Artbook kann z.Bsp. über Steam erworben werden und bietet wunderschöne Bilderwelten. Die tollen Bilder laden dazu ein, den Wasserfarbkasten abzustauben und einmal selbst zu versuchen, eine Fantasiewelt aufs Papier zu bannen. Wenn es doch nur so einfach wäre, wie es aussieht!

Gut

  • wunderschöne Bilder
  • atmosphärische Welt

Schlecht

  • sehr schwierige Rätsel

Zusammenfassung

Candle ist ein atmosphärisches Rätselspiel, dass mit tollen beeindruckenden Bildern glänzt. Die Rätsel sind sehr knifflig und laden zum Knobeln ein, denn nur wenn wir sie lösen, kann Teku den entführten Schamanen befreien.
7.6

Fair

Spielspaß - 7
Grafik - 10
Sound - 7
Steuerung/Gameplay - 6
Handlung/Charaktere - 8

Kommentare

Nicole

Kommentar von:

Redakteurin Indie und Horror

Als Studentin der Religionswissenschaft ist Candle für mich sehr interessant, da es einerseits ein Fantasiespiel ist und andererseits eindeutige Anlehnungen an unsere stereotypen Vorstellungen von Eingeborenen anknüpft. Heiligkeit und religiöse Artefakte spielen eine große Rolle für das Fortkommen im Spiel und nur wenn wir in diese religiöse Welt eintauchen und nach ihr handeln können wir weiterkommen. Dabei wäre zu untersuchen, ob und wenn ja, inwiefern Candle unsere Vorstellungen prägen bzw. ändern kann. Es kommen immer mehr Spiele auf den Markt, die sich mit Kolonialismus bzw. Ureinwohnern beschäftigen, wie auch The Curious Expedition, und Candle reiht sich in einer fantasievollen Weise hier ein. Candle bietet v.a. mit seinen tollen Wasserfarbenwelten einen tollen optischen Reiz. Die schweren Rätsel erinnern an typische Daedalic Entertainment – Spiele wie u.a. Deponia und spornen an, noch eine weitere Runde daran zu knobbeln. Auch wenn die Rätsel manchmal frustrierend sind und man am liebsten das Spiel ausschalten möchte, spornen die tollen Bilderwelten doch weiter an, denn weitere Bildschirmhintergrundbilder warten auf die Spielenden. Und so rätselt man sich bis zum bitteren Ende.

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