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CLANDESTINE Review

PCReviews
7.3

Fair

Zusammen schleichen ist schöner

Mit CLANDESTINE erlebt ihr waschechte Stealth-Action mit einem Freund oder einer Freundin zusammen. Ob der Titel auch alleine etwas taugt und ob Logic Artists eine spannende Agenten-Geschichte aus dem Hut gezaubert hat, lest ihr in unserem CLANDESTINE Test.

Ein Geheimagent zu sein ist meistens eine recht einsame Angelegenheit. Man schleicht sich durch schwer bewachte Anlagen um ein bestimmtes Ziel zu eliminieren oder ein geheimes Dokument zu stehlen. Ein paar tote Soldaten oder etwas Verwirrung bei den Verantwortlichen und schon ist man wieder weg. Ein Solid Snake oder Sam Fisher findet seinen Weg allein, ohne Backup, keiner der einem hilft. Und keiner, der einen unterhält, sollte der Auftrag zu langweilig sein. Das muss der Grund sein, warum sich viele Geheimagenten bereits einen Mann ins Ohr pflanzen, ein Kollege, der einem mit etwas Gesprächsstoff während der Missionen zur Seite steht. In CLANDESTINE von Logic Artists ist dieser Mann im Ohr aber kein Nice to Have, sondern überlebenswichtig.

In CLANDESTINE kann die Agentin nicht alleine überleben, das ist das Prinzip hinter diesem Stealth-Game, dass sich ein Splinter Cell oder Alpha Protocoll zum Vorbild genommen hat und das Genre um einen asymmetrischen Co-Op Anteil erweitert, der neue Wege aufzeigen soll. Denn hier müsst ihr kooperieren, um ans Ziel zu gelangen. Einer spielt die Agentin Katya, die sich direkt in die Basis des Feindes begibt und der andere den Hacker und Nerd Martin, Katyas Aufpasser und helfende Hand, der aus sicherer Entfernung alles tut, um Katya den Rücken frei zu halten.

Agenten der 90er

Katya im Artwork

Katya im Artwork

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich gehalten in der Art und Weise, wie sie sich verhalten und wie sie in den Dialogen rüber kommen. Katya kann man wohl als den Hauptcharakter bezeichnen. Sie begibt sich direkt ins Feld, sieht aus wie die Zwillingsschwester von Joanna Dark aus Perfect Dark, nur etwas hipper und mit Kopfhörern. Sie hat einen nicht sofort definierbaren Akzent, den ich wohl als russisch einordnen würde.

Man sieht ihn selten: Martin den Hacker

Man sieht ihn selten: Martin den Hacker

Dann haben wir Martin, Katyas Aufpasser mit getönter Brille, der Silberkette und der Weste. Ich bin mir nicht sicher, ob das die Definition eines Nerds in den Neunzigern war. Martin sorgt sich um Katyas Wohlbefinden und ist dafür zuständig, dass wichtige Informationen wie Codes für Türen, oder der Aufenthalt von Wachen zu Katya vordringen, die ohne diese Informationen schnell vor verschlossener Tür oder dem Lauf einer Pistole stehen würde. Beide Charaktere gehören zusammen, ohne Katya gibt es niemanden, die das Ziel erreichen kann, ohne Martin wird Katya niemals ans Ziel kommen. Hier greift der Co-Op Aspekt von CLANDESTINE und hier macht es alles richtig.

Was auch total gut rüber kommt, ist das Setting, das in den 90er Jahren angesiedelt ist. Warum sich die Entwickler entschlossen haben, ausgerechnet die Neunziger zu nehmen, konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen, aber wie sie es umgesetzt haben, passt auf jeden Fall. Es gibt große, flackernde Röhrenmonitore und die Kleidung ist mit Flanell-Hemden oder Martins getönter Brille typisch für diese Epoche.

Nur gemeinsam sind wir stark

Katya ist mehr so von der rauen Sorte

Katya ist mehr so von der rauen Sorte

Kernstück von CLANDESTINE ist wie schon angesprochen der Co-Op Modus und das Spiel ist ausnahmslos darauf zugeschnitten, dass zwei Agenten sich auf die durchaus atmosphärischen Missionen begeben. Es ist wichtig, dass ihr euch mit eurem Partner absprecht und vor allem derjenige, der Martin spielt, euch stets darüber Bescheid gibt, wie die Lage ist und schnell genug reagiert, um eine kommende Bedrohung anzukündigen oder eine Kamera schnell genug auszuschalten, bevor Katya entdeckt wird. Katya wiederum spielt sich wie die meisten anderen Charaktere aus bekannten Stealth-Games. Sie schleicht herum, findet Sammelgegenstände in Form von Disketten und schaltet Wachen aus. Martin beobachtet sie dabei, sitzt in seinem Van und schaltet Türen frei.

Leider ist Katyas Gameplay dabei auch etwas beschränkt. Ein wenig Schießen, Wachen vermöbeln oder sterben, wenn Martin nicht schnell genug einen Alarm ausschalten konnte. Und hier liegt der Knackpunkt. Manchmal läuft man etwas planlos im Kreis herum, während Martin ein Passwort knacken, eine Kamera ausschalten und sich in Acht nehmen muss, dass der feindliche Systemadmin ihn nicht entdeckt. Ja und als Katya wartet man so lange, start Löcher in die Luft oder geht dem Hacker mit der eigenen Ungeduld auf die Nerven.

So sieht das Tagesgeschäft eines Hackers aus.

So sieht das Tagesgeschäft eines Hackers aus.

Spielt man als Martin, wird einem nicht langweilig. Das Haken gehört in CLANDESTINE zu den zentralsten Mitteln, um eine Mission abschließen zu können. Man mag erst meinen, als Martin zu spielen ist nicht mehr, als ein paar Hinweise an den befreundeten Spieler weiter zu geben, aber dem ist nicht so. Zunächst wird man mit einer ganzen Reihe an Informationen und Fenstern erschlagen. Auf vier Bildschirmen sehen wir einen Textchat um mit Katya zu kommunizieren. Dann den Blick durch Katyas Headset-Kamera oder wahlweise durch die installierten Kameras in der Umgebung. Auf einer Übersichtskarte kann Martin sämtliche Wachen, Kameras und Items ausmachen und von dort aus auch elektronische Komponenten wie PCs haken oder aber man gibt seinem Teamkameraden wichtige Hinweise zu versteckten Orten, die das Weiterkommen erst ermöglichen. Und dann wäre da noch das Hacking-Terminal, der wohl wichtigste Bereich auf Martins Bildschirm. Hier kann Martin durch das Netzwerk der gegnerischen Basis navigieren, sich durch Firewalls hacken und Informationen aus anderen Computern ziehen. Auch Türen öffnen sich durchs Hacken auf magische Weise und besondere Aufmerksamkeit sollte man stets dem Systemadmin widmen. In den meisten Netzwerken schwirrt dieser technsich versierte Zeitgenosse durch die Leitungen und kontrolliert, ob sich niemand unerlaubt Zugang verschafft hat. Wird Martin entdeckt, wird dieser aus dem Netzwerk geworfen und es wird schwieriger, wieder hinein zu kommen. Bereits gehackte Firewalls sind wieder geschlossen und sämtliche Codes haben sich geändert. Martin kann von seinem Van aus auch Medi-Kits für Katya bereit stellen oder mit der Säuberungseinheit bereits erledigte Wachen entfernen, damit diese nicht die Aufmerksamkeit weiterer Wachen auf sich ziehen.

Man sieht, das Zusammenspiel der beiden Agenten ist sehr vielschichtig und eine gute Kommunikation führt schneller zum Erfolg. Und als Katya sollte man es sich nicht mit seinem Martin verscherzen.

Missionen und Agentenleben

Oft geht es darum, jemanden zu befreien.

Oft geht es darum, jemanden zu befreien.

Die Missionen in CLANDESTINE sind relativ einfach gestrickt. Geht rein, erledigt euren Job, geht wieder raus. Ja die Missionen sind keine Glanzleistung an kreativem Schaffensprozess gewesen, aber sie sind atmosphärisch und bieten immer wieder neue Umgebungen und nett inszenierte Dialoge. Der Weg führt euch dabei über Lagerhallen in Mexiko oder Bürogebäudekomplexe in London. Insgesamt sieben Schauplätze wollen von euch erkundet werden. Und jedes mal heißt es: Sucht die Zielperson oder sammelt die Daten die wir brauchen. Wie ihr dabei vorgeht ist euch streng genommen frei überlassen. Aber sich durch die Wachen zu schießen endet selten gut. Der leise Weg führt oft wahrscheinlicher zum Ziel. Ihr schleicht euch an, versucht lautlos zu bleiben und nicht entdeckt zu werden. Hier kommt der größte Spaß am Spiel zur Geltung, nur wenn ihr euch voll und ganz darauf einlasst, jede Mission ungesehen zu beenden und absolut lautlos vorzugehen, zeigt sich der taktische Tiefgang des Spiels. Es gilt zusammen mit eurem Hacker den besten Weg zu markieren und die Laufwege der Wachen genau zu studieren. Die Entwickler haben hier viel Wert darauf gelegt, dass die Wachen sich stets unterschiedlich verhalten und ihre Laufwege auch mal variieren können. Ihr habt immer mehr als zwei Möglichkeiten, ungesehen ans Ziel zu kommen. Es gibt dabei keine leichte oder schwere Variante, nur immer die, die für euer Team am besten passt.

Das ist es, was an CLANDESTINE am meisten Spaß gemacht hat. Eine Mission anzunehmen, zu erkunden, wie der Ort aufgebaut ist und sich mit seinem Partner abzusprechen, welchen Weg man geht. Dabei machte es uns auch nichts aus, mehr als einmal direkt in ein Feuergefecht zu geraten, denn wir wussten, wir können es irgendwie besser machen. CLANDESTINE ist fair. Manchmal wird die eigene Geduld auf eine harte Probe gestellt, aber wenn man sich an den Plan hält, winkt oft die Belohnung im Erreichen des Missionsziels.

Habt ihr eine Mission erfolgreich abgeschlossen und gebt euch ein virtuelles High-Five mit eurem Partner, landet ihr im Hauptquartier, dem HQ (Headquarter). Dieses ist eigentlich nicht mehr als ein Hub um Missionen anzunehmen. Es gibt ein wenig Story, die aber austauschbar ist. Die Geschichte von CLANDESTINE ist eher ein Alibi, warum ihr euch als Agenten auf Missionen begebt. Hier wurde leider viel Potential liegen gelassen. Eine wirklich ausgeklügelte Hintergrundgeschichte hätte einem Agentenspiel gut getan. So lauft ihr durch das HQ, verirrt euch in gescriptete Dialoge oder auf recht steril wirkende Toiletten. Auch die Gänge im HQ sind überwiegend leer und steril. Es gibt nicht viel zu tun und so geht man eher dazu über, schnell die nächste Mission anzugehen. Derjenige der Martin spiel, hat im HQ eh das Nachsehen, denn nur Katya genießt im Hauptquartier wirklich Freilauf.

Hier könnt ihr natürlich auch die Geduld des Hackers auf die Probe stellen, in dem ihr euch ganz gemütlich die grauen Wände genauer anseht. Ob das gut für euch ausgeht, müsst ihr allerdings selber wissen.

Die essen sich auf

So viel Spaß es auch macht, in CLANDESTINE mit einem Freund die Missionen zu meistern, über einige technische Defizite konnten wir nicht hinweg sehen. Grafisch ist das Spiel nicht auf der Höhe der Zeit, aber das ließe sich verschmerzen, wenn die Animationen nicht einen Teil der sonst tollen Atmosphäre wieder zerstören würden. In manchen Dialogen wirkt es eher, als würde Katya auf ihren Wangen herum kauen und alle hätten nen Stock im Allerwertesten. Besonders Katya sollte sich als Agentin, die noch sehr fit aussieht, nicht wie ein auto steuern lassen. Das Interagieren mit Gegenständen ist oft etwas mühselig, da Katya etwas grob motorisch veranlagt ist. Was noch ein Grund ist, sich nicht mit den Gegnern anzulegen. Bis man seine Waffe ziehen konnte und Katya irgendwie in Position gebracht hat, ist sie bereits tot.

Soundprobleme gab es während unseren Sessions leider auch, was aber nicht so oft vor kam. Viel schlimmer ist da die K.I. Ich schrieb ja, dass CLANDESTINE einiges an taktischem Tiefgang erlaubt. Aber man kann sämtliche Taktik auch aushebeln, denn manchmal haben die Wachen geradezu Aussetzer in ihrem Verhalten und ignorieren es, wenn man einen ihrer Kollegen gerade umgebracht hat. Einfach um die Wache herumschleichen und diese ebenfalls von hinten erstechen. Hier hätte ich mir etwas mehr erhofft. Vielleicht kann man das ja noch nachbessern.

Ein Punkt den man noch ansprechen sollte, wenn man über die negativen Dinge spricht ist das Solo-Spiel. Es ist wahrscheinlich nicht immer möglich, einen Hacker bei sich zu haben. Wir hatten es einfach, für unseren Test habe ich mir Thazy geschnappt und wir sind durch die Gegend gezogen. Aber man kann auch solo Spielen – was leider ein Krampf ist. Man spielt eigentlich nur noch Katya. Martin ist zwar im Geiste bei uns, wir hören ihn ab und an seine Scripte runter sprechen, aber sonst sind wir auf uns allein gestellt. Und da es ohne Hacken so gar nicht geht in CLANDESTINE, müssen wir auch das übernehmen. Sicheres Plätzchen suchen, zum Hacken umschalten, Tür öffnen, Gegenstände einsammeln, Karte beobachten, Kameras ausschalten, Wachen nieder strecken. Mit der hakeligen Steuerung schnell reagieren, wenn man Hacken und weglaufen muss? No way. Es ist möglich, CLANDESTINE allein zu spielen, aber Spaß ist etwas anderes.

Nur noch doppelte Agentenpower!

Einer schleicht, eine organisiert. So sieht Teamplay aus!

Einer schleicht, eine organisiert. So sieht Teamplay aus!

So genug gemeckert. Gewöhnt man sich an die dumme KI und an die etwas hakelige Steuerung, dann, ja dann ist CLANDESTINE ein Unikat und eine wirkliche Bereicherung im Agenten Genre. Es gibt Probleme, ja, aber was zählt ist am Ende der Spaß und den bringt CLANDESTINE mit sich. Unten findet ihr unser Preview zu CLANDESTINE in dem, wie ich finde, gut zu sehen ist, das CLANDESTINE etwas holprig sein kann, aber Thazy und ich trotzdem Spaß beim gemeinsamen spielen hatten und wir in dem ganzen 90er Jahre Agenten-Flair aufgingen. Die Kombination aus Schleich- und Strategiespiel hat mich total gepackt. Ich war selbst etwas als Martin überfordert, als Katya konnte ich meinen kleinen Agenten in mir ausleben. CLANDESTINE belebt das Agenten Genre und lässt Co-Op Spiele in einem neuen Licht da stehen.

Positiv

  • Spaßiger CO-OP Modus
  • taktische Tiefe
  • steigernde Herausforderung

Negativ

  • Nur Checkpoits die nervig gesetzt sind
  • Dialoge nicht sehr tiefsinnig
  • alleine schwer spielbar

Zusammenfassung

Ich mag Katya. Ihre lockere Art. Ich mag auch Martin, weil er so ein niedlicher Feigling ist. Beide Agenten haben Charakter und CLANDESTINE ebenfalls. Das Spiel wollte mich am Anfang nicht sofort in seinen Bann ziehen, was wohl daran lag, dass ich mit dem Solo-Spiel angefangen habe. Aber als wir zu zweit das Agentenpaar durch die Missionen steuerten, war es um mich geschehen. Trotz einiger Defizite hat CLANDESTINE etwas, das ich bei anderen Spiele vermisse: Charme. Mit etwas Feintuning hat CLANDESTINE das Potential, anderen Titeln zu zeigen, wo der taktische Co-Op Hammer hängt!
7.3

Fair

Spielspaß - 9
Grafik - 6
Sound - 6
Steuerung - 6
Handlung und Charaktere - 8
Innovation - 9

Kommentare

Roland

Kommentar von:

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