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Haimrik im Test

Mit Haimrik interpretieren die Entwickler von Below the Game den Begriff Text-Adventure auf eine ganz eigene Art. Wir haben das Spiel gespielt und berichten, ob es, über diese Besonderheit hinaus, etwas taugt.

Schon auf den ersten Blick ist Haimrik ein herausstechendes Spiel mit einem Spielkonzept, das ihm zum Alleinstellungsmerkmal genügt. Auf den zweiten Blick ist es nicht mehr so revolutionär, aber ein grundsolides 2D-Adventure in dem wir mit der Welt interagieren, indem wir Wörter der Geschichte aktivieren.

Story

Haimrik ist ein Schreiber in einem verarmten, unbedeutenden Dorf. Obwohl er davon nicht wirklich leben kann, leider kauft niemand Bücher, schreibt er weiter Bücher ab. Eine ganze Bibliothek hat er bereits. In einem Traum kommt ihm die Idee mit seinem eigenen Blut, statt mit Tinte zu schreiben. Dieses Vorgehen hat im Traum eine umwerfende Wirkung. Haimrik wird in das Buch hinein gesogen und bestreitet die Geschichte, die er gerade schreibt. Am nächsten Tag will ihn dieser Traum nicht so recht loslassen und da erscheint wie von Zauberhand das Buch aus seinem Traum in seiner Bibliothek. Gleichzeitig erscheint auch der mächtige Magier Murdock und friert alle, außer Haimrik, der ja gerade in seiner Bibliothek ist, ein. Unserem Protagonisten kommt die Idee das Blutschreiben aus dem Traum einmal wirklich zu probieren und siehe da, es wirkt. Durch das bestreiten von Aufgaben im Buch kann Murdock besiegt werden. Von nun an nutzt Haimrik das Buch als Hilfsmittel zum Lösen aller Bedürfnisse und vor allem zum Lösen von Problemen, an denen er oft nicht ganz unschuldig ist. Es gibt noch eine tiefergehenden Hintergrundgeschichte um die Krieger der Wörter, die einst das Reich einten, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll. Alles in allem bietet die Story einen schönen und oft amüsanten Rahmen für ein interessantes Spielkonzept, das Spielen mit Worten. 

Grafik und Sound

Die Grafik des zweidimensionalen Side-Crawlers wirkt handgezeichnet. Die Figuren sind durch klare Linien umrandet und die ganze Welt ist in gedeckten Farben gehalten. Klar und deutlich stechen die Schriftfelder heraus und das tief rote Blut, immerhin ein zentraler Teil des Spieles, sticht stark aus dieser Farbkonstellation heraus. Dadurch wirken die Szenen in denen Blut, meist aus Haimriks Hand oder durch das Ableben von Charakteren hervorgerufen, auch optisch wie Brüche im Spiel.

Der Sound im Spiel verändert sich mit jedem Setting. Im Dorf ist er ein anderer als im Buch. Im Buch selber haben unterschiedliche Szenarien wieder eigene Soundkulissen, die die Dynamik des einzelnen Levels meist gut einfangen. Ein Manko ist die ständige Wiederholung. Die einzelnen Tracks sind recht kurz und wiederholen sich daher mehrfach, solange man in einem speziellen Level ist. Besonders, wenn es sich um ein kniffligeres Level handelt, das man öfter wiederholen muss, nervt die Musik irgendwann. Erweitert wird die Musik durch rudimentäre Soundeffekte wie Explosionen oder Sterbegeräusche, eine Vertonung der kurzen Dialoge gibt es nicht.

Steuerung und Gameplay

Gesteuert wird mit der Tastatur. Dabei benötigt das Spiel eine Handvoll Tasten für Bewegung und Interaktion. Jede Tastenkombination wird eingeführt und regelmäßig wird wieder darauf verwiesen, welche Taste benötigt wird, falls die Spieler es vergessen sollten.

Gameplaytechnisch reizt das Spiel seine Grundidee gut aus. Durch Aktivierung von Wörtern kommen wir weiter. Hierbei gibt es im Wesentlichen zwei Grundmechanismen. Einerseits gibt es taktische Level. Hier müssen wir durch das Aktivieren der richtigen Wörter Rätsel lösen. Positive Worte müssen wir dabei selbst finden, negative aktivieren sich von selbst. Am Soldaten, der erscheint, sobald wir uns dem Wort Soldat nähern, kommen wir beispielsweise nicht vorbei, ohne uns beim Wort Schwert vorher ein Schwert besorgt zu haben. Dazu kommen Kombinationen, wie die Notwendigkeit sich erst beim Wort Eimer selbigen besorgt zu haben, bevor man ihn mit dem Wort Wasser füllen kann. Diesen Leveln stehen die dynamischeren Kampflevel gegenüber. Hier müssen wir schnell reagieren und die richtigen Wörter aktivieren. Da es hier weniger auf Taktik als auf Timing ankommt sind die interaktiven Wörter hier farblich unterlegt. Grün sind die Wörter die wir aktivieren sollten, wenn wir siegen wollen, rot diejenigen, die unser Gegner aktiviert. So wissen wir, wann wir Vorsicht walten lassen sollten. Auch hier ist etwas Nachdenken meist sinnvoller als einfach drauf los zu Klicken. Beispielsweise trifft in einem Kampf unser Blitzangriff nur, wenn der Gegner seinen eisernen Stab hält. Fehler sorgen meist für Haimriks blutiges Ableben. Zum Glück sind die Level recht kurz, so können wir es immer wieder versuchen, ohne dass zu viel Frust aufkommt.

Haimrik macht Spaß. Durch den Wechsel zwischen dynamischen Kampfleveln und taktischen Rätseln ist es angenehm kurzweilig und durch sein Spielkonzept sticht es aus der Masse aus 2D Side-Crawlern und Adventures aller Art heraus. Zwar nutzt sich das „besondere“ bei längeren Spielsessions etwas ab, aber für das kurze Spielen zwischendurch ist es ausgesprochen gut.

Gut
  • Tolle Spielidee
  • Stimmige Grafik
  • Unterhaltsam
Schlecht
  • Teils nerviger Musikloop
  • Schwache Langzeitmotivation
8
Gut
Spielspaß - 9
Grafik - 8
Sound - 6
Story/Charaktere - 8
Steuerung/Gameplay - 9

Deine Meinung dazu!

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Kommentare

Mott

Kommentar von:

Redakteur Indie und Horror

Haimrik ist für mich persönlich die Entdeckung der letztjährigen Gamescom. Ich bin eher durch Zufall darüber gestolpert und die Spielidee hat es mir sofort angetan. Dass daraus nun ein grundsolides Spiel geworden ist, das auch über eine nette Idee hinweg Spaß macht freut mich sehr.

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